Hoe Love Goes

Mein Held

By on 9. März 2018

Eine starke Schulter zum anlehnen, eine Hand die unseren Kopf streichelt und eine warme, tiefe Stimme die uns ins Ohr flüstert: „ alles wird gut Baby, keine Angst, ich bin bei dir“. Wünschen wir Frauen uns das nicht alle? Einen Mann an dessen Seite wir das Gefühl haben, dass uns nichts und niemand auf dieser Welt wehtun kann?

Dieser Mann ist unser Held und wir lassen uns in seine Arme sinken, wir vertrauen ihm. Wir sind unserem Beschützer schutzlos ausgeliefert. Wir legen unsere Waffen nieder und unser Herz legen wir gleich dazu. Aber er passt ja auf uns, also wird er auch auf unser Herz aufpassen. Oder? Wir haben es jetzt lange genug beschützt, das Messer ständig Griff bereit gehabt, wir waren auf uns allein gestellt und haben jeden Kampf alleine gekämpft. Wir können das. Aber irgendwann sind auch die stärksten Kriegerinnen müde und wollen ihr Herz nicht mehr verteidigen, sie wollen es in sichere Hände geben. Es fällt uns schwer, denn wir haben so lange so gut darauf aufgepasst, aber wir tun es. Wir wollen Frieden.

Und so wird aus der Kriegerin ein sanftes Burgfräulein, eine Kurtisane, die sich hübsch macht um ihrem Helden zu gefallen. Ein Mädchen, dass anstatt auf der Hut zu sein, blauäugig und naiv durch ihr eigenes Märchen läuft und jedes Gift trinken würde, solange ihr Held sagt dass es völlig harmlos ist. Und so vergiftet sie sich, Schluck für Schluck, ohne es zu merken. Das Gift verändert sie, schleichend. Sie verliert ihre Stärke, ihren Mut, ihren Stolz. Während ihr Held gefeiert wird, und glorreich aus sämtlichen Schlachten zurückkehrt, sitzt sie in ihren Gemächern und zweifelt an sich. Die anderen Burgfräuleins sind doch viel schöner und sie sieht deren Blicke, Blicke die auf ihrem Helden haften. Noch viel schlimmer aber, sie sieht seine Blicke. Seine Blicke die sich immer öfter von ihr lösen und sich im frivolen Nichts verlieren. Sie muss sich täuschen, er hat doch ihr Herz. Er passt doch darauf auf. Oder?

Sie macht sich auf den Weg ihn zu suchen, um zu wissen ob er darauf aufpasst, vergeblich. Seine Räume sind leer. Alles von ihm was sie zu kennen glaubte war weg. Er war weg. Das einzige was noch da lag, war ihr Herz. In einer Ecke hatte er es liegen lassen, einfach vergessen, sich nicht bewusst darüber welche Verantwortung er doch eigentlich hatte. In diesem Moment wird ihr von all dem Gift, welches sie über so lange Zeit geschluckt hatte, ganz schwindelig. Sie setzt sich neben ihr Herz und beobachtet es. Es schlägt schwacher als sonst, es wirkt vernachlässigt, fast schon verkümmert. Wie konnte sie es so lange aus den Augen lassen. Es war ihr eigener Fehler.

Sie zieht ihr Kleid aus, legt ihre Rüstung an, bindet die Haare zurück und betrachtet sich im Spiegel. Sie ist bereit für den Krieg. Theoretisch. Doch die Rüstung wiegt schwer auf ihren Schultern, und im diesem Moment wird ihr bewusst, dass sie Krieg gegen sich selbst führt. Dass sie Schlachten kämpft, die sie nur verlieren kann so lange sie keinen Frieden mit sich selbst geschlossen hat. Die Rüstung schränkt sie und ihr Sichtfeld ein und ihre Waffen fordern andere bloß zum Kampf auf. Sie legt beides nieder, ein letztes Mal. Sie nimmt ihr Herz und legt es in ihre eigenen Hände, ganz ohne Panzer, friedlich und ruhig. Sie wird es einfach bei sich behalten und irgendwann, ohne es überhaupt zu bemerken, wird ein Held kommen und es ihr nicht wegnehmen, sondern seines zu ihrem legen.

 

Wenn ihr wissen wollt, wer dieses schöne Titelbild gezeichnet hat, einfach hier klicken

 

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1 Comment
  1. Antworten

    Ibac

    12. März 2018

    Soo schön geschrieben, großes Kompliment ❤️👏

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ZAMPANELLA
Köln

Wie schön, dass du hier bist. Mein Spitzname ist Zampanella. Ich liebe das Leben. Ich liebe Geschichten und vor Allem liebe ich Geschichten die das Leben schreibt. Also lebe ich und schreibe darüber...

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